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Waldumgang 2021 -14 Millionen «für die Füchse»?

Nach einem Jahr Corona-Unterbruch konnte am 18. September 2021 im Waldgebiet Oberholz, Suhr wieder ein Waldumgang stattfinden. Rund 100 Teilnehmer bekundeten mit ihrer Teilnahme Interesse an den angekündigten Themen.

Nach der Begrüssung durch Ortsbürgerpräsidentin Carmen Suter, Suhr und Förster Werner Lutz machten sich die Teilnehmer bei herrlichstem Wetter auf den Weg Richtung «Groodhöchi» zum ersten Posten.

Strassenunterhalt an Waldstrassen
Waldstrassen wurden ursprünglich für die Bewirtschaftung der Wälder angelegt. Die Befahrbarkeit mit Forstfahrzeugen ist deren wichtigste Eigenschaft. Nicht zuletzt durch die Freizeitnutzung sind die Ansprüche an Waldstrassen vielseitiger geworden. Am ersten Posten zeigt der Forstbetrieb, wie die Waldwege regelmässig unterhalten werden.
Abranden: die Wegränder werden mit einer speziellen Maschine an den Rändern von Bewuchs und angespültem Material befreit, damit das Oberflächenwasser wieder gut abfliessen kann und die Fahrbahnen nicht ausgespült und beschädigt werden. Organisches Material, welches auf den Fahrbahnen liegen bleibt, sei dies z.B. Laub oder Pferdehaufen, verhindert punktuell das Abtrocknen der Wege und führt beim Befahren zu den ungeliebten Schlaglöchern. Im Herbst werden die wichtigsten Waldwege deshalb vor dem Winter vom Laub gesäubert. Der Ersatz der sogenannten Deckschicht durch Einbringen und Einwalzen von neuem Mergelkies ist sehr teuer und aufwändig. Durch den regelmässigen Unterhalt der rund 60 Kilometer Waldstrassen im Revier wird die Langlebigkeit der Waldstrassen gesichert. Der Forstbetrieb dankt der Bevölkerung für das Verständnis, dass Waldwege in erster Linie Forstwege sind und nicht zu jedem Zeitpunkt «kinderwagentauglich» sein können.

Neophyten im Wald
Über Neophyten im Wald wurde auch an Waldumgängen bereits informiert. Und doch ist das Thema leider aktuelle denn je.
Neobiota sind gebietsfremde Arten, die sich mit menschlicher Einflussnahme in einem Gebiet stark ausbreiten, in dem sie davor nicht heimisch waren. Ihnen gemeinsam ist, dass sie als Gebietsfremde keine natürlichen Feinde oder Konkurrenzarten vorfinden und sich invasiv ausbreiten.
Als Neozoen werden gebietsfremde Tierarten bezeichnet, z.B. der Wachbär, die Spanische Wegschnecke oder der asiatische Laubholzbock.
Neophyten sind die Pflanzen unter den eingeschleppten, invasiven Arten. Sie können wegen ihrer starken Ausbreitung Standortbedingungen für einheimische Pflanzen verändern und diese gar verdrängen. Im Wald bereiten derzeit insbesondere das drüsige Springkraut (aus dem Himalaya), die kanadische Goldrute (aus Nordamerika), der Japanknöterich (Ostasien) und der Sommerflieder (China, Tibet) Probleme. Sie überwuchern grosse Gebiete und verdrängen z.B. das «echte Springkraut», welches in Mitteleuropa gelbblühend mit einer Wuchshöhe von 30-70 cm vorkommt. Das invasive Springkraut wächst bis zu 1m hoch, blüht lilafarben.
Für den Menschen gesundheitsgefährdend sind Ambrosia und der Riesenbärenklau.

Eingeschleppt wurden diese Arten hauptsächlich durch das Deponieren von Gartenabfällen im Wald, die Samen verbreiten sich dann an Fahrzeugreifen oder Schuhsohlen weiter.

Bekämpfung
Dem Forstbetrieb steht kein Budget zur Bekämpfung der Neophyten zu Verfügung. Mit Asylprojekten oder Schülereinsätzen können punktuell kleine Flächen bearbeitet werden. Bei allen Arten ist der richtige Zeitpunkt und die richtige Art der Massnahmen besonders wichtig!
Oft versuchen uns Waldbesucher bei der Neophytenbekämpfung unaufgefordert zu unterstützen. Bei diesen gut gemeinten Aktionen kann aber der Schaden auch vergrössert werden. Drüsiges Springkraut soll, wenn die Samenknospen reif sind und «springen», auf keinen Fall angefasst werden. Auch wenn ausgerissene Pflanzen auf die Waldstrasse gelegt werden, begünstigt dies die weitere Verbreitung durch Fahrzeuge und Fussgänger.
Hilfreich ist es, die Pflanzen VOR der Blüte und Samenreife auszureissen und z.B. auf einem Wurzelstock oder 2-3m vom Wegrand weg zu deponieren, damit diese vertrocknen. Eine Entsorgung in einem Abfallsack, welcher in die Verbrennung geht, käme auch in Frage.

«14 Millionen für die Füchse?»
So lautete der Titel eines Artikels in der Aargauer Zeitung vom August 2016 über das Projekt der Wildtierüberführung Rynetel über die A1 (neue Bezeichnung N01). 2021 wurde das darin beschriebene Bauwerk, eine 50m breite Bogenkonstruktion aus Holz, fertiggestellt. Es ist Teil des Wildtierkorridors AG6, welcher von nationaler Bedeutung für die Vernetzung der Lebensräume von Wildtieren zwischen Juragebiet und Mittelland ist. Diese Lebensräume wurden in den vergangenen Jahrzenten durch Verkehrswege wie Autobahnen und Bahnstrecken unüberwindlich durchschnitten und der wichtige Austausch von Genmaterial verhindert.
Zur Freude der Forstbranche hat sich das Bundesamt für Strassen ASTRA für die Holzbauweise entschieden. Pioniere im Bereich Holzbauten ist die Firma Timbatec Holzbauingenieure AG. Sie hat während 20 Jahren Überzeugungsarbeit geleistet, was der Baustoff Holz leisten kann.

Der in Buchs, AG wohnhafte Andreas Burgherr ist Mitinhaber und war massgeblich am Projekt beteiligt. Mit eindrücklichen Grafiken und Zahlen beschreibt Andreas Burgherr, was die Vorteile einer Holzbaukonstruktion sind.
Die bessere Ökobilanz: Im Bauwerk sind 900 Millionen Autokilometer in Form von CO2 gebunden, die Brücke bindet also deutlich mehr CO2 als die Erstellung verbraucht hat und natürlich weit mehr als eine Betonbrücke.
Die rasche Ausführung: Die Brücke aus 156 vorgefertigten Brettschichtholzbogen und einheimischen Fichtenholzträgern konnten in nur 24 Nächten montiert werden. Die ist bei einer Hauptverkehrsader wie der A1, wo der Verkehr möglichst hinderungsfrei laufen muss, ein grosser Vorteil. Auch was die Langlebigkeit und die zukünftigen Unterhaltarbeiten während der Lebensdauer der Brücke angeht, konnte in aufwändigen Tests gezeigt werden, dass Holz den Anforderungen an eine Autobahnbrücke absolut gewachsen ist.

Bauen mit Holz, besonders bei öffentlichen Infrastruktur-Bauten, grossvolumigem Wohnungsbau und Sportanlagen hat grosses ökologisches und ökonomisches Potential. Wissen und Erfahrung bezüglich Statik, Konstruktion und Bautenschutz sind in den letzten Jahren enorm gewachsen. Andreas Burgherr ruft zum Mut auf, zukünftig auf und mit einheimischem Holz zu bauen.

Und die Füchse?
Exklusiv und letztmals durften die Waldumgangsteilnehmer den Zugangsbereich zur Wildtierüberführung betreten. Christina Boschi, Zoologin und Wildtierexpertin aus Gränichen erläuterte den Nutzen der Überführung für die Wildtiere und zeigt auf der Anlage, wie deren Bedürfnisse umgesetzt wurden. Nicht nur Füchse werden dereinst die Wildtierüberführung Rynetel nutzen. Für grössere Tiere wie Hirsche, Rehe, Wildschweine, Füchse, aber auch für Wiesel, Amphibien, Mäuse und sogar Fledermäuse wird dieser Abschnitt des «Nationalstrassennetzes der Wildtiere» ein wichtiger Durchgang werden. Durch Leitmassnahmen im Einzugsgebiet, 2m hohe Wildschutz- und dichte Amphibienzäune, werden wanderfreudige Tiere auf den Übergang gelenkt. Mit einem Blendschutz und der Bepflanzung wird die Störung durch Licht und Lärm auf der Brücke minimiert. Durch gezielt angelegte Graben, Tümpel, Strauchgruppen und Asthaufen werden die spezifischen Schutzbedürfnisse der Tiere in ihren Bewegungen abgedeckt. Das Hauptziel des Übergangs ist ein Raum, in welchem sich die Tiere von den menschlichen Zivilisationseinflüssen ungestört natürlich bewegen können.

Die Investition in diese Wildtierüberführung ist für die Füchse - und alle anderen Tiere – nur dann nachhaltig und wertvoll, wenn der Mensch seinen Beitrag leistet! In diesem Fall mit dem Verzicht auf das Eindringen und Respekt vor dem Lebensraum der Tiere. Wir Waldbenutzer haben als Biker, Spaziergänger, Jogger viele Freiräume, Brücken und Verkehrswege, welche für unsere Bedürfnisse geschaffen und unterhalten werden. Im Wald teilen wir viele Bereiche mit den Wildtieren und werden oft mit interessanten, bereichernden Beobachtungen belohnt.

Die Wildtierüberführung Rynetel soll als eine kleine Insel den Wildtieren vorbehalten sein!
Hier nochmals der Aufruf: Das Betretungsverbot ist unbedingt zu respektieren, die Überführung darf nicht begangen oder befahren werden! Damit diese Investition sich gelohnt hat.